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   Nosrat Karimi (geb. 1925) - 
   
Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor, Maskenbildner und Bildhauer

  Zusammenfassung

  Frühes Leben

  Künstlerische Karriere

  Berufsleben

  Spätere Werke


 

Zusammenfassung

Nosrat Karimi gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Theater- und Filmgeschichte Irans. Er  begann seine künstlerische Tätigkeit als Maskenbildner und Schauspieler, nachdem er in der Schauspielschule von Teheran ausgebildet worden war. In den 40er bis Anfang 50er Jahren spielte er unterschiedliche Rollen in verschiedenen Theatern. Von 1953 bis 1964 lebte Karimi in Europa; in Prag studierte er Filmregie, insbesondere Marionettenspiel und Zeichentrickfilm; in Rom arbeitete er als Regieassistent und Schauspieler.

Zurückgekehrt nach Teheran begann Karimi eine neue Karriere als Regisseur, Drehbuchautor und nicht zuletzt als Schauspieler. In den 60er und 70er Jahren drehte er eine Reihe von Kino- und Fernsehfilmen ("Das Leben", "Der Kutscher", ... ), die ihn im Iran berühmt machten. In der gleichen Periode lehrte er als Professor an den Kunsthochschulen von Teheran.    

In den späteren Jahren beschäftigte sich Nosrat Karimi hauptsächlich mit der Bildhauerei. Er fertigte zahlreiche Skupturen an, die im In- und Ausland ausgestellt wurden. Darüber hinaus verfasste er Bücher über Theater und Kino.

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Frühes Leben

Nosrat Karimi wurde 1925 als Sohn eines angesehenen Einzelhändlers in Teheran geboren. Schon als Kind hatte er eine Neigung zur Kunst. Er war fasziniert von den traditionellen Komödianten und persischen Clowns, die er bei Hochzeitsfesten und Familienfeierlichkeiten bewunderte. Zuhause spielte er die Rollen dieser Artisten nach und fertigte ähnliche Puppenfiguren an, wobei ihm seine Mutter bei der Anfertigung der Puppenkleider half. Im Alter von sechs Jahren sah er zum ersten Mal Filme von Charlie Chaplin und war bezaubert von der Figur des armen Vagabunden, der trotz aller Niederschläge des Lebens unschlagbar blieb. Schnell lernte er, Chaplin zu imitieren und fand unter seinen Familienangehörigen und Freunden die ersten Zuschauer.

Im Alter von neun Jahren begann er, sich selbst für seine Rollen zu schminken und sammelte so seine ersten Erfahrungen mit der Maskenbildnerei. Sein ältester Bruder, der spätere Miniaturmeister, Ali Karimi, erkannte Nosrats Liebe zum Schauspiel und ermunterte ihn. In seiner Begleitung konnte Nosrat zum ersten Mal eine Theatervorstellung besuchen. Im Alter von zehn Jahren fertigte er von Ferdowsi, dem berühmten persischen Dichter, eine Büste an, für die er ausgezeichnet wurde.

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Künstlerische Karriere

Nach der Beendigung der Grundschule besuchte Nosrat Karimi die Deutsche Gewerbeschule. Danach schrieb er sich in die einzige Schauspielschule ein, die es damals in Teheran gab. Dort studierte er von 1938 bis 1941 Schauspielkunst, Masken- und Bühnenbildnerei. Seine ersten Lehrer waren bekannte Theaterschauspieler und Regisseure wie Ali Nasr, Aliasghar Garmsiri und Abdolhossein Noushin. Letzterer gilt bis heute als der Begründer des modernen iranischen Theaters.

 

Ab 1940 arbeitete Karimi als Schauspieler, Maskenbildner und Bühnenautor in verschiedenen Schauspielhäusern von Teheran. 1944 schloss er sich der Gruppe Noushin an, der er bis 1952 angehörte. Er spielte u. a. in den Bühnenstücken „Die Schokoladenverkäuferin“, „Eugenie Grandet“, „Der rote Umhang“ und „Die Braut im Atomzeitalter“. Im Letzteren führte er auch Regie. In allen diesen Stücken war er außerdem für das Schminken der gesamten Schauspieltruppe zuständig.
Anfang 1953 reiste Nosrat Karimi nach Europa, um sein Kunststudien zu vervollständigen. In Rom, wo er die erste Zeit seines Aufenthaltes verbrachte, lernte er die berühmten italienischen Filmregisseure Luchino Visconti und Vittorio De Sica kennen. Besonders beeindruckt haben ihn die neorealistischen Filme von De Sica ("Fahrraddiebe", "Das Wunder von Mailand"... ). 
Nach sechs Monaten reiste Karimi weiter nach Wien und schließlich nach Prag. Dort studierte er Film- und Fernsehregie und spezialisierte sich auf Marionetten- und Zeichentrickfilme. Sein wichtigster Lehrer in der Kunstakademie von Prag war Karl Zeman, der renommierte tschechische Animationskünstler. 
Nach dem Studium in Prag kehrte er zurück nach Rom und blieb dort drei Jahre. Er arbeitete als Regieassistent für De Sica, spielte auf der Bühne, trat in Musicals auf und synchronisierte italienische Filme für den iranischen Filmverleih. 

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Berufsleben

1964 kam Nosrat Karimi nach elf Jahren Aufenthalt in Europa zurück nach Teheran. Nach einigen Drehversuchen beim kommerziellen Kino wurde er 1965 vom Ministerium für Kunst und Kultur beauftragt, die staatliche Werkstatt für Animationsfilme zu leiten und weiter auszubauen. Etwas später begann Karimi mit seiner Tätigkeit als Professor am Fachbereich der Schönen Künste der Universität Teheran sowie an der Akademie der Darstellenden Künste, wo er mehr als zwanzig Jahre lang verschiedene Kunstrichtungen lehrte.

Während seiner dreijährigen Tätigkeit als Direktor des Animationsstudios entstanden eine Reihe von Kurzfilmen, die einheimische und internationale Preise gewannen, darunter:

Mausherz, Leopardenfell“, ein Puppenspiel, das auf einem altpersischen Märchen beruht
König Jamshid“, ein Märchen aus Ferdowsis Schah-Nameh (Buch der Könige), dem Nationalepos Irans
Das Leben“, der erste persische Zeichentrickfilm überhaupt

In der gleichen Periode produzierte Karimi zwei TV-Serien: „Herr Kläger“, ein Marionettenspiel und „Die Ehe“, eine zwanzigteilige Serie über den Ehealltag. Durch diese populären Serien wurde Karimi einem breiten Publikum im Iran bekannt.

1969 begann Karimi mit den Dreharbeiten zum Spielfilm „Der Dieb und der Wachmann“ - eine persische Adaption der Erzählung von Räuber und Gendarm. Wegen Einmischung des Produzenten gab er jedoch die Regie auf, nachdem ein großer Teil des Filmes bereits gedreht worden war. Im gleichen Jahr drehte der britische Regisseur Terence Young einige Szenen des Films „Mohn ist auch eine Blume“ im Iran. Er engagierte Karimi als Maskenbildner für seinen Hauptdarsteller Yul Bryner und andere Akteure.

Von 1971 bis 1973 drehte Nosrat Karimi drei Kinofilme: „Der Kutscher“, „Die Lösung“ und "Ein Bett für Drei". Dabei führte er nicht nur Regie, sondern schrieb jeweils auch das Drehbuch und spielte die Hauptrolle. In diesen Filmen erzählt Karimi mit Witz und Ironie drei Geschichten, die zusammen eine durch den italienischen Neorealismus angelegte Trilogie bilden. Im Mittelpunkt steht das Leben der städtischen Durchschnittsbürger mit allen ihren kleinen und großen Schwierigkeiten. Eingezwängt in die Fesseln der Tradition und Intoleranz geraten die Protagonisten in scheinbar auswegslose Situationen. Am Ende finden sie dann doch die Lösung, indem sie Vernunft annehmen.

Der Kutscher“ war ein großer Erfolg sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik. Dieser Film war als iranischer Beitrag für ausländische Filmfestspiele vorgesehen. Er wurde jedoch von der Zensurbehörde für die Aufführung im Ausland verboten. Erst Jahre später konnte er in europäischen Kinos vorgeführt werden. Der international anerkannte iranische Regisseur Abbas Kiarostami, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme von Cannes 1997, lobte den Film als ein bedeutendes Werk des iranischen Kinos(*).    

Die Lösung“ war ein außerordentlich großer Publikumserfolg, der viele Wochen in mehreren Kinos gleichzeitig lief. Übernacht wurde Karimi vor allem durch diesen Film landesweit berühmt.

"Ein Bett für Drei" hatte dagegen nur mäßigen Erfolg, obwohl er thematisch an die beiden ersten Filme anknüpfte.

Karimis Bekanntheit und seine Erfolge beim Publikum führten dazu, dass er von vielen Produzenten attraktive Angebote bekam. So spielte er in den 70er Jahren in einigen kommerziellen Filmen anderer Regisseure. Eine Nebenrolle übernahm er auch in einer japanisch-iranischen Gemeinschaftsproduktion.

1975 drehte der Regisseur und Schauspieler seinen vierten und letzten Kinofilm „Der Elende", zu dem er wieder das Buch schrieb. Der Film, eine Satire auf die Bauspekulation der 70er Jahre in Teheran, kam beim Publikum gut an und wurde von der Kritik gewürdigt.    

1976 spielte Karimi in der TV-Serie „Mein Onkel Napoleon“ eine der Hauptfiguren. Die Serie gilt als die erfolgreichste, die je im iranischen Fernsehen gezeigt wurde. Ein Jahr später produzierte der Künstler die Fernsehserie „Khosro Mirsa II“. Diese 16-teilige Serie, eine Groteske über eine aristokratische von der Kadscharen-Dynastie abstammenden Familie, sollte (unfreiwillig) sein letztes Werk für eine lange Periode werden. Zwar schrieb er danach noch ein Drehbuch und begann mit den Vorbereitungen für seinen nächsten Film. Die Revolution von 1978/79 machte aber der Filmproduktion vorerst ein Ende.

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Spätere Werke 

Nach der Gründung der Islamischen Republik durfte Nosrat Karimi für längere Zeit weder als Filmemacher noch als Darsteller arbeiten. In dieser Zeit beschäftigte er sich hauptsächlich mit Bildhauerei, die seit seiner frühen Jugend zu seinem bevorzugten Hobby gehörte. Er fertigte viele Mimik-Skupturen an, die in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt wurden. Er schrieb außerdem eine Reihe von Drehbüchern für Film- und Fernsehproduktionen, von denen einige unter anderen Namen vermarktet wurden und andere bis heute noch nicht realisiert werden konnten.
Erst 1987 durfte Karimi wieder ein Marionettenstück - „Der ungebetene Gast“ - aufführen. Danach drehte er den Animationsfilm „Der Mitspieler“. 1996/97 produzierte er für einen privaten Fernsehkanal das Puppenspiel „Aufsässig“ als TV-Serie, die auf Wunsch der Zuschauer mehrmals wiederholt wurde. Zu seinen weiteren Arbeiten in der nachrevolutionären Ära gehören die Produktion und Regie einer Reihe von Kurzfilmen über Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge für das Fernsehen sowie Bücher über Theater und Kino.
Noch künstlerisch aktiv lebt Nosrat Karimi - nunmehr achtzig Jahre alt - zusammen mit seiner Frau Parvin Teimuri, einer Kunstmalerin, im Norden von Teheran.

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(* ) Abbas Kiarostami: "Ein Wiedersehen nach vierunddreißig Jahren mit 'der Kutscher' bestätigte meine tiefe Überzeugung darin, dass weder die Festivalpreise, noch die Würdigung der Kunstkritiker und auch nicht der Kassenerfolg als Kriterium zur Beurteilung eines Kunstwerkes in Frage kommen dürfen. Allein der Lauf der Zeit bestimmt die Bedeutung und den Wert eines wahren Kunstwerkes. Meiner Ansicht nach ist 'der Kutscher' heute beeindruckender als bei der ersten Aufführung im Jahre 1971". Siehe: The Carriage Driver, a Screenplay by Nosrat Karimi, compiled and edited by Mostafa Zemani-Nia, Teheran 2004, Seite 298.

 

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